Shanghai meets Suzhou

Manchmal lernt man auf die ungewöhnlichste Weise neue Leute kennen. Bereits letztes Jahr im August fand unsere erste virtuelle Begegnung statt. Wir wissen beide nicht mehr genau wer und wie, auf jeden Fall hat plötzlich die eine den Blog der anderen verfolgt. Shaoshi lebt seit 2011 mit ihrem chinesischen Mann in Shanghai und blogt regelmäßig auf Shaoshi in Shanghai über interessante Orte rund um Shanghai, Festivitäten und Wissenswertes zu China.

Gestern war es nun soweit und wir haben unser Vorhaben, uns auch mal live und in Farbe zu treffen, in die Tat umgesetzt! Shaoshi kam nach Suzhou!

In gewisser Weise war ich etwas aufgeregt:
Würden wir uns erkennen? Ein Profilbild im Blog musste dafür reichen. Und ja, es war nicht wirklich schwierig, da wir scheinbar die einzigen lǎowài’s am Hauptbahnhof waren.
Hätten wir uns im wirklichen Leben etwas zu sagen – vor allen Dingen einen ganzen Nachmittag lang? Ja, der ganze lange Nachmittag war recht kurz und weil ich um 19 Uhr noch eine Verabredung hatte, leider auch ziemlich abrupt beendet. Aber Gesprächsstoff gab es genug.
Was sollten wir unternehmen? Ich bin noch nicht wirklich ortskundig in Suzhou und dann auch noch schlechtes Wetter! Ja, das Wetter war zugegebenermaßen schlecht. Fürs Mittagessen unter freiem Himmel in der Nähe der Guan Qian Street kam die Sonne nochmal kurz raus, aber je später der Nachmittag, desto grauer der Himmel. So haben wir uns den Temple of Mystery (einen alten Taoisten Tempel) in Downtown angeschaut, waren im Suzhou Museum (moderne Architektur verbunden mit antiker Architektur und Gärten; ein Museum, das Porzellan, Kunsthandwerk, schöne Gemälde und Kalligraphien zeigt)  und in der Ping Jiang Road (hier gibt es neuerdings auch Eis in Kloschüssel-Bechern). Und dann war der Nachmittag auch schon vorbei.

Fazit:
Es war zu kurz. Wie alle schönen Dinge. Aber der Juni kommt bestimmt und damit auch ein weiteres Treffen, oder Shaoshi?

Lost in translation…aehm Suzhou
Die Anreise zu meiner Verabredung war dann doch noch etwas nervenaufreibend. Hatten Shaoshi und ich auf dem Weg zur U-Bahn noch einen wirklich netten Busfahrer, der Shaoshi’s Frage, ob er an der U-Bahn hält nicht nur mit ja beantwortet, sondern dann auch an der U-Bahn-Haltestelle via Lautsprecher durchgesagt hat, dass die Fräuleins jetzt aussteigen sollen, so hatte ich nachher mit meinem Taxifahrer echt Stress. Es regnete mittlerweile in Strömen und mir war klar, dass ich zu Fuß trotz Schirm völlig durchnässt an unserem Treffpunkt ankommen würde. Es musste also ein Taxi her, was bei Regen kein leichtes Unterfangen ist. Also bin ich bereits am Central Park ausgestiegen, zum Renaissance Hotel gelaufen (das sind die mit den Navigatoren… 🙂 siehe auch How to survive the guests) und habe mir dort ein Taxi rufen lassen. Soweit kein Problem. Der Portier hat unter Zuhilfenahme eines weiteren Portiers und meiner Taxi-Spickzettel-Karten dem Fahrer erklärt wo es hingehen soll. Ja, er weiß, wo das ist, hat er mir noch bei Abfahrt versichert. Fuhr um zwei Kurven und fragte mich, wo ich eigentlich hinwolle. Taxi-Spickzettel-Karte wieder raus, er liest sie sich nochmal durch und sagt, er weiß nicht, wo das ist…Kein Problem…im Restaurant angerufen, ihm das Telefon in die Hand gedrückt, damit er sich den Weg erklären lassen kann. Was er geschrieen hat, habe ich nicht verstanden, aber es klang mehr als wütend. Er gibt mir mein Telefon zurück, guckt mich an, sagt MEINEN neuen Lieblingssatz tīng bù dòng (ich verstehe nicht), fährt rechts ran und macht den Motor aus. Ich nehme an, dass er mich mit einem Wortschwall höflich dazu aufgefordert hat, auszusteigen. Im Leben nicht. Freundlich lächeln und tīng bù dòng sagen!
Draussen war Weltuntergang. Im Taxi auch schon alles nass, weil man in Taxis ja immer die Fenster aufhaben muss. Die Rückbank war mit Plastikfolie ausgelegt, weil dann die Rückbank ja nicht nass wird und das ganze Nass besser von meiner Jeanshose aufgesaugt werden kann. Mittlerweile wusste ich auch nicht mehr wo wir waren, die Fenster total angelaufen und eh nichts mehr zu sehen und der Fahrer hat keine Anstanden gemacht weiterzufahren.

Also habe ich ihm gesagt, dass er mich bitte wieder an den Ausgangspunkt zurückbringen soll. Renaissance-Hotel, das Hotel, an dem er mich vor ein paar Minuten aufgelesen hat. Er schaut mich an und sagt tīng bù dòng. Er studiert die Taxikarte und sagt bù zhīdǎo (kenn/ weiß ich nicht). Was will man da noch machen?

Einatmen. Ausatmen. Lächeln. Zurücklehnen. Noch mehr Wasser aufsaugen. Tīng bù dòng sagen.

Ich wäre die ganze Nacht da sitzen geblieben. Eine andere Wahl hatte ich ja nicht wirklich. Er hatte irgendwann genug von mir und ist wieder losgefahren…um mich keine 2 Minuten später am Restaurant abzuliefern. Geht doch!

Ende gut, alles nass und einen schönen Abend beim Thai gehabt…was will frau mehr?!?

 

 

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2 Antworten zu Shanghai meets Suzhou

  1. Shaoshi schreibt:

    War wirklich ein schöner Nachmittag gestern. Das wird auf jeden Fall wiederholt!

    Und die Taxifahrergeschichte … oh Mann! Ich hoffe, dein Flug heute war besser 🙂

    Gefällt mir

  2. Pingback: Neulich … (7) – Von Wohnungssuche und vom Reisen | Shaoshi in Shanghai

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