Parallelwelten – oder zwischen China und Schwarzwald

Die einen sagen ‚oh, wie furchtbar‘, die anderen finden es spannend und für mich ist die Entsendung meines Mannes großes Glück.

Nicht, weil bekanntlicherweise Frauen ja viel besser alleine schlafen, ich mich nicht abmelden und in Deutschland auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Nein, es ist weil ich mal wieder die Chance habe, eine neue Kultur, eine neue Sprache und neue Menschen kennen zu lernen und mir aktuell irgendwie das beste aus zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, rauspicken kann.

Ich geniesse es, wenn ich in China bin. Lerne eifrig eine Sprache, die ich wahrscheinlich nie so richtig beherrschen werde. Lerne neue Leute kennen, neue Lebensformen und begebe mich jeden Tag auf eine neue Abenteuerreise… auch wenn es nur auf den Markt ums Eck ist oder auf die Taxifahrt, um im strömenden Regen zwei Ecken weiter zu kommen. Ich liebe das Essen – ok, das habe ich glaube ich schon in fast jedem Blog-Post erwähnt, freue mich darum, wenn mich der Taxifahrer dann doch dort abliefert, wo ich hinwollte und finde es auch nicht so schlimm, wenn der Himmel nicht jeden Tag blau ist, weil zuviel Feinstaubwert.

Auch freue ich mich immer wieder auf Deutschland. Das Haus, meine Freunde und Familie. VPN-freies Internet, mein Auto, auch wenn ich es ganz selten brauche. Meine Arbeit, die dann weniger digital, sondern auch mal wieder analog und in Form von persönlichen Treffen ist. Die gute Luft und den hohen Freizeitwert im Schwarzwald – nicht umsonst heisst es ‚arbeiten, dort wo andere Urlaub machen‘. Und weil Haslach mit seinen knapp 7.000 Einwohnern doch alles hat, was frau braucht.

Und doch hat mein Pendeln im großen Stil auch seine Kehrseiten. An machen Tagen fühle ich mich wie in zwei Parallelwelten. Denn das Leben in China und das in Deutschland laufen so ein wenig nebeneinander her, oftmals ohne zusammenhängende Entwicklungen, nur mit mir als Bindeglied.
Bin ich in China, dann verpasse ich manche Dinge hier in Deutschland. Bekomme Entwicklungen nur am Rande mit und muss schauen, wie ich mein soziales Netzwerk irgendwie aufrecht erhalte. Umgekehrt ist es genau so. „Gleich gibts ein spontanes Picknick im Compound-Garten – beamst du dich kurz her?“ Wie gerne würde ich das tun und auch hier gilt, ich muss das neu aufgebaute soziale Netzwerk irgendwie am Leben halten. Der letzte Abschied aus China ist mir schwer gefallen. Zum einen habe ich mittlerweile ein paar sehr nette Menschen kennen gelernt. Ja, ich werde sie Mitte Juni zum Großteil Wiedersehen. Jedoch zeichnet sich aber jetzt einfach auch schon das ab, was das Expat-Leben ausmacht: es ist ein ständiges Kommen und Gehen und so werden doch ein paar Leute bei meiner nächsten Rückkehr nicht mehr da sein. Dafür werden neue dazu gekommen sein…und es fängt wieder von vorne an.

Parallelwelten auch deshalb, weil es ein chinesisches und ein deutsches soziales Netzwerk und Freunde gibt. Meinen chinesischen und meinen deutschen Kleiderschrank (das erspart viel Koffer packen und schleppen). Meinen chinesischen und den deutschen Tagesablauf. Fragt sich nur, ob ich in beiden Welten dieselbe bin…

Ich will deswegen nicht jammern, auch wenn ich mich an manchen Tagen ein wenig lost zwischen den Welten fühle und mich frage, wo gehöre ich eigentlich gerade hin. Im Gegenteil, es ist ein Wahnsinns-Geschenk. Wichtig ist nur, das beste aus jeder der beiden Welten mitzunehmen…Das Hier und Jetzt zu geniessen. Das Glück zu sehen, dass ich damit habe. Und zu versuchen, die Erfahrungen und Learnings aus der einen mit in die andere Parallelwelt zu nehmen.

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