Karibu tena Tanzania

Kaum zu glauben, mein erste Woche in Tanzania ist schon rum und das, obwohl sich die Zeiger an der Uhr hier etwas langsamer bewegen.
Die Woche war gefüllt mit dem Wiedersehen alter Freunde und Bekannte, mit den Projektteams, mit den Kindern in den Projekten, mit langen Fahrten im dalla-dalla, mit dem Verschaffen eines ersten Überblicks in den drei Teilprojekten und mit dem Planen der nächsten Wochen. Mit Tangawizi – meinem Lieblings-Soda, Chipsi Kuku (Hühnchen mit Pommes und Tomatensalat) und anderen Leckereien wie dagaa (kleinen getrockneten Sardinen, die man zum Maismehlbrei Ugali ist), Chapati (kleine Pfannkuchen zum Frühstück) und Seafood, aber auch Magenzoten-Suppe…mh…
Ach ja und mit wunderbaren Feierabenden am Strand. So kann Arbeit auch aussehen.

Gleich am Samstag war ich zu einer Hochzeit eingeladen…irgendjemand hat mal eine Packliste für Berater auf Zeit geschrieben und es bei jedem Vorbereitungsworkshop von Manager für Menschen nochmal betont: für jegliche Einsätze darf im Koffer nie etwas Nettes zum Anziehen fehlen, weil man mit Sicherheit auf eine Hochzeit oder ein anderes Fest eingeladen wird. Hm, ja…weiße Bluse und Jeans haben es dann auch getan.

Hamna
Auch mein altes Lieblingswort hamna hat sich direkt schon wieder in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen.
Hamna umeme, hamna maji, hamna Internet und davon genug! An 2 Tagen dieser Woche hatten wir komplett kein Wasser, weil die Pumpe kaputt war , der Strom hat sich in regelmäßigen Abständen verabschiedet und demnach war auch das Netz ein wenig angeschlagen. Und so lerne ich schnell wieder Akkus aufzuladen, auch wenn sie noch halbvoll sind und die warme Dusche zu geniessen und Wasserflaschen aufzufüllen für die Katzenwäsche im Notfall. Jetzt weiß ich auch wieder, warum meine Haare so kurz sind!

Und was steht die nächsten Wochen an?
Teilprojekt Orphans and Vulnerable Children:
Ende des Jahres werden nun fast alle restlichen Kinder die Grundschule beenden. Es braucht nun ein Konzept, wie wir die 200 Kinder weiterhin betreuen. Sekundarschule oder Ausbildung? Wie finanzieren wir die Unterstützung? Wie stellen wir sicher, dass das in den letzten 7 Jahren aufgebaute Wir-Gefühl bestehen bleibt, auch wenn alle über viele Schulen verstreut sein werden? Und wie können wir Abläufe im Projektteam verbessern und nachhaltiger gestalten?

Teilprojekt Sekundarschule in Ifakara:
Der große Traum einer Projektmitarbeiterin soll Anfang Januar 2016 endlich Realität werden. Eine weitere private Sekundarschule für Mädchen. Ein Teil der Gebäude steht bereits. Was aber noch fehlt ist die Registrierung, Lehrpläne und Lehrer, die Einrichtung und nicht zuletzt die Schüler. Mitte September sollen die Aufnahmeprüfungen stattfinden für den ersten Roll-Out mit 2 Klassen a 45 Mädchen. Noch wird die Schule nicht beworben…Wenn wir tatsächlich im Januar eröffnen wollen, müssen wir uns warm anziehen die nächsten Wochen und weiterhin hart arbeiten, damit Erica Ludelas Traum wahr wird.

Teilprojekt Pre-School in Chamazi:
Auch hier hat sich seit meinem letzten Besuch im Juni einiges getan. Die Anzahl Kinder steigt, das Gebäude platzt aus allen Nähten. Die eh schon geringen Schulgebühren können nicht von allen Eltern bezahlt werden und so reichen die Einnahmen gerade mal für die Verpflegung der Kinder (Uji – Porridge am Morgen und Ugali oder Reis mit Bohnen am Mittag). Es bedarf dringend einer Überarbeitung des Berichtswesens und eines Konzepts, wie wir die weiteren Ausgaben decken können. Eine Idee ist der Verkauf oder die Vermietung von Solarlampen für ein Extra-Einkommen und das Ankurbeln der Schneiderei.

Mir wird also gewiss nicht langweilig werden die nächsten Wochen. Insbesondere weil mein Ziel, mit allem soweit durch zu sein der 23. Oktober ist. Am 25. Oktober sind Wahlen und meine Projektteams fürchten schon jetzt Aufstände. Somit muss ich gewappnet sein, denn wenn es tatsächlich dazu kommt, werde ich als Mzungu mit Sicherheit nicht in den Vierteln Kariakoo und Mbagala unterwegs zu sein, die jeden Tag zu meinem Arbeitsweg gehören.

Nun ist aber erst einmal Wochenende! Week-endi njema!

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Fast auf den Tag genau 6 Jahre später…

2009 war ich das erste Mal in Tanzania. Für geplante 3,5 Monate, aus denen nachher wunderbare 7 Monate wurden, bin ich im August 2009 als Beraterin auf Zeit für ein Projekt der Herrnhuter Missionshilfe nach Dar-es-Salaam in Tanzania ausgereist.

In einem AIDS-Waisen-Projekt, das 200 AIDS-Waisen und Kindern aus schwierigen Verhältnissen den Besuch der Grundschule ermöglichen sollte, habe ich das Projektteam beraten und gecoacht und gemeinsam haben wir es damals geschafft, das Projekt auf sichere Beine zu stellen. In den letzten Jahren war ich in regelmäßigem Kontakt und Austausch mit dem deutschen Projektträger und dem tanzanischen Team. Und es war toll zu sehen, dass ich vielleicht als Mensch dort gefehlt habe, aber nicht als Wissensgeber.

Bereits Ende letzten Jahres haben 40 Kinder die 7-jährige Grundschulzeit erfolgreich abgeschlossen. Im Dezember werden weitere 160 Kinder folgen. Phase 1 des Projektes ist dann also abgeschlossen. Nun geht es darum ein Konzept zu entwickeln, was mit den Kindern weiterhin geschieht. Sekundarschule, privat oder öffentlich, oder eine Ausbildung, wenn ja welche und wo. Und die große Frage der Finanzierung ist auch noch nicht geklärt. Weiterhin muss auch der abgebrochene Kontakt zu den Rotariern in Dar-es-Salaam wieder aufgebaut werden.

Und nun komme ich wieder ins Spiel…Bei meinem Besuch im Juni stellte sich schnell heraus, dass das lokale Team hierbei ein wenig Unterstützung braucht. Und ich musste nicht wirklich lange überlegen, ob ich den Einsatz ausschreibe, über Manager für Menschen einen Berater auf Zeit suche, oder doch selbst gehe…

 

Impressionen aus 2009 und 2010

 

Fast auf den Tag genau 6 Jahre später…
…sitze ich also nun hier, schreibe den letzten Blog-Beitrag vor meiner Ausreise. Morgen geht mein Flieger. Die Koffer sind noch nicht gepackt, aber die Stapel werden immer größer. Wie immer machen meine Klamotten den geringsten Anteil aus, dafür liegen Mitbringsel für Freunde und Bekannte bereit, Projektunterlagen, Brillen, Solarlampen…

Ich bin weniger aufgeregt, als vor 6 Jahren, als es doch eine Reise ins Ungewisse war, ich nicht wusste, was auf mich zukommt, keinen kannte, die Sprache nicht verstand. Ich am liebsten kurz vor knapp alles abgebrochen hätte, nicht geflogen wäre, weil ich plötzlich Angst vor meiner eigenen Courage hatte. All meinen Mut zusammengenommen und es dann doch durchgezogen und in Summe die beste Zeit meines Lebens dort verbracht habe. Eine Zeit, die mich nachhaltig verändert hat und die zur besten Entscheidung meines Lebens zählt.

Die große Aufgeregtheit weicht dieses Mal der Freude. Freude, alte Bekannte und Freunde wieder zu sehen. Mehr als nur 2 Wochen am Stück in Tanzania zu sein, gemeinsam mit dem Team an einer Lösung zu arbeiten. Mit meinem Wissen zu unterstützen, aber noch viel mehr Wissen und Erfahrung vom Team und meinen tanzanischen Umfeld aufzusaugen. Gemeinsam voneinander zu lernen. Ich freue mich noch mehr in den Alltag in Tanzania einzutauchen, denn ich werde dieses Mal nicht bei den katholischen Schwestern im Msimbazi-Center wohnen, sondern auf Kigamboni. Der morgendliche Weg zum Büro wird dann zwar etwas länger sein und vom Heimweg rede ich erst gar nicht, aber das nehme ich gerne in Kauf. Auf Kigamboni ist es ländlicher, ruhiger, besser für die Seele. Ich bin glücklich, dass ich mir erneut meinen großen Wunsch erfüllen kann und für 2,5 Monate wieder in meinem alten Projekt, wieder in Tanzania sein kann.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg…so habe ich meinen Blog-Beitrag nach meiner Rückkehr aus Tanzania im Juni abgeschlossen. Und genau so ist es.

 

Die große Frage lautet also dieses Mal: Was werde ich anders machen?
In meinem Abschlussbericht im Juni 2010 habe ich auf diese Frage eines Bekannten wie folgt geantwortet:
„Ich würde alles genau so wieder machen wie ich es gemacht habe. Vielleicht würde ich noch mehr genießen, noch mehr aufsaugen und noch mehr Farben, Fröhlichkeit, Zufriedenheit und buntes Treiben in meinen Rucksack nach Hause einpacken, denn trotz der Schönheit Deutschlands geht mir jetzt doch schon einiges hier wieder ab.“

Ja, genau das werde ich tun. Und ich streiche das Wörtchen vielleicht. Ich werde noch mehr genießen, noch mehr unternehmen, noch mehr Druck rausnehmen, alles auf mich zukommen lassen. Meinen deutschen Maßstab nicht mit in den Koffer packen. Auch weil ich weiß, dass meine deutschen Ideen auch nur in Deutschland zielführend sind. Ich weiß heute, dass man auch mit weniger Geschwindigkeit und Hektik ans Ziel kommt. Und dass für uns vermeintlich kleine Schritte, dort gar nicht so klein sind.

Ich freue mich auf das Warten, auf Stromausfälle – ja, die sind gerade mehr als nur ein bisschen auf der Tagesordnung –  und darauf, einmal nicht permanent erreichbar zu sein. Ich freue mich darauf, mal wieder einen Gang runter zu schalten und jeden Tag aufs neue zu sehen, was wirklich wichtig im Leben ist.

Ich habe JETZT die Chance das, was ich beim letzten Mal vielleicht nicht getan habe, nicht nachzuholen, sondern besser zu machen…Tanzania – ich freue mich auf dich!

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Suzhou – deine Lichter, deine Klimaanlagen…dein Energieverbrauch

Nein, es ist noch nicht Weihnachten und auch kein anderer großer Feiertag in Sicht. Dennoch blitzt und blinkt es in Suzhou an jeder Ecke. Bäume sind angeleuchtet, mit Lichterketten bestückt. Auf den Fassaden der Hochhäuser, Malls und Hotels finden regelrechte Lichtspiele statt. Billboards zeigen Filme und Werbung. Und das hell erleuchtete gegenüberliegenden Expo-Center zeigt mir jeden Abend auf, wenn Schlafenszeit ist. Denn um zehn Uhr wird’s plötzlich dunkel… am Gebäude und somit auch in unserem Wohnzimmer…

Ja, es sieht toll aus…unterjährig, wie auch kurz vor Laternenfest, Weihnachten und Co., wenn das Ganze nochmals getoppt wird und dann auch noch Laternen und Rentiere die Landschaft zieren.
Aber…was für eine Energieverschwendung!

Ergänzt wird die Energieverschwendung noch durch die wunderbaren Klimaanlagen.
Ja, auch ich habe diese an. Stundenweise, weil es in der Wohnung insbesondere in der warmen Jahreszeit nicht auszuhalten ist und weil die Feuchtigkeit uns sonst auffressen würde. Und ja, ich habe sie auch im Winter an…dann quasi ständig, weil die Klimaanlage auch gleichzeitig Heizung ist, die nur bedingt heizt, weil ja warme Luft bekanntlicherweise nach oben steigt. Leider ist der Lüftungsschlitz der Klimaanlage…ja genau…oben!

Aber nun zurück zur warmen Jahreszeit. Wie auch in den USA gehe ich selbst bei 30 Grad nicht ohne Jacke aus dem Haus. In den Malls und Restaurants herrscht Eiszeit und ich bin nach kurzer Zeit am Frieren.
Fragwürdig finde ich allerdings die Tatsache, dass oftmals Türen offen gelassen werden, damit auch der Gehsteig gekühlt wird… oder die Passanten durch die kühle Luft angezogen werden?!?
Was für eine Energieverschwendung!

Also habe ich mal geschaut, was ich zum Energieverbrauch so finden kann.
Uffz….

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen (wahrscheinlich ist die Zahl just im Moment des Schreibens schon wieder überholt!- im Vergleich dazu Deutschland mit nur 81,1 Millionen) das bevölkerungsreichste Land der Welt.
Im Jahr 2013 verbrauchte China rund 5,3 Petawattstunden Strom und belegte somit Platz eins der größten Stromverbraucher weltweit. Petawatt?!? Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt. 1 Petawatt sind 1 Billiarde Watt!
Im Vergleich dazu liegt Deutschland mit 583 Terawattstunden auf Platz 6. 1 Terawatt sind 1 Billion Watt.

Wow, das ist aber mal so richtig wenig!
…bis man das Ganze einmal in Relation setzt und schnell feststellt, dass ich wohl eher aus dem Land der Energieverschwender komme. Wenn man der Statistik von Lexas glauben darf, dann liegen wir aktuell mit einem pro-Kopf-Energierverbrauch von 6.150 kWh auf Platz 26 der Rangliste…gefolgt von China mit 993 kWH auf Platz 116.

Und nun…?
Naja, Suzhou ist nicht China…in jeder Hinsicht nicht. Somit hinkt der Vergleich ein wenig. Denn ich bin mir sicher, auch wenn ich dazu kein Zahlenmaterial finden konnte, dass in Suzhou, wie auch in den anderen großen Städten, der pro-Kopf-Energierverbrauch ein klitzekleines bisschen höher ist. Ich bleibe somit bei der Aussage, dass Suzhou ein Energieverschwender ist!
Mir schwirrt nun der Kopf: vor Hitze, Beleuchtung oder irrwitzigem Zahlenmaterial. Da hilft nur eins: Klimaanlage anschalten, mich abends an der schönen Beleuchtung erfreuen, tagsüber schnell ins Kaufhaus zur Abkühlung huschen, weiterhin Strickjacke an der Frau zu haben und weiterhin überall dort wo mir möglich ist, meinen kleinen Beitrag zum Energiesparen zu leisten. Also, liebe Malls, schliesst eure Türen…sonst mache ich es.

P.S. Was glaubt ihr, wer auf Platz 1 ist? Norwegen mit 24.14 kWh !!!! Und auf dem letzten Rang der Liste, auf Platz 208, ist Kambodscha mit 8 kWh.

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Wieder auf Spur…

…ja, ich bin wieder auf Spur. Hat ein paar Tage länger gedauert, als angenommen, aber der Kulturschock war dann irgendwie doch zu krass. Und das Wetter hat sein übriges dazu getan. Grob gesagt, hat es seit meiner Ankunft vor 4,5 Wochen fast nur geregnet. Und ich muss ganz klar feststellen, dass meine Laune mehr als gedacht vom Wetter abhängt. Da nützt es dann auch nichts mehr im Regen zu tanzen. IMG_3876

Ich bin also wieder auf Spur…und das kurz bevor es wieder zurück nach Deutschland geht. Vielleicht sollte ich mich direkt auf einen reversen Kulturschock gefasst machen. Denn auch dieses Mal ist es wieder so, dass ich noch nicht weiß, was überwiegt: Freude oder Abschiedsschmerz? Ich freue mich auf den Schwarzwald, meine Eltern, meine Schwester, Freunde und Bekannte. Das darauf freuen, heisst aber auch gleichzeitig wieder Abschied nehmen und auch dieses Mal wird es bei ein paar liebgewonnenen Menschen ein finaler Abschied in China sein.

lǎowài lái – lǎowài qù.  Frei übersetzt: Expats kommen – Expats gehen

Wenn ich aber ganz ehrlich bin, überwiegt die Freude ein klein wenig. Denn zurück nach Deutschland gehen heisst auch, einem weiteren Abenteuer näher zu kommen. Darüber berichte ich aber in einem separaten Eintrag. 😉

 

Was sonst noch so geschah in den letzten Wochen…
Eigentlich nicht wirklich viel. Die Tage sind schneller vergangen als mir lieb war. Das schlechte Wetter hat dazu geführt, dass ich kaum Touri-mäßig unterwegs war, viel Zeit am Schreibtisch verbracht habe und eher den kulinarischen Freuden zugetan war.
Treffen mit den Dienstagsfrauen, neue Restaurants ausprobieren, Feierabendbier in der eigenen Pagode (ok, es ist die vom Compound)…neue Malls checken. So geht ein Tag schnell rum.

 

…Schnipp schnapp Haare ab
Ich habe mich getraut, bin tatsächlich todesmutig zum Red Point Salon gefahren und habe mich in die Hände von Steven begeben.
Das Haare waschen und die vermeintliche Kopfmassage ist eine Geschichte für sich. Ich konnte leider auch den Sessel nicht fotografieren, auf dem ich mit Plastik im Rücken in der Horizontalen lag, während Steven mir gefühlt die Kopfhaut weggerubbelt hat. Aber was will ich auch erwarten, Männer sind ja oft ein wenig schwer von Begriff wenn es darum geht, wie sie uns Frauen anfassen sollen.

Wieder in der Vertikalen, hat Steven dann auch das schnippeln angefangen.
Mein Fehler: ich habe beiläufig erwähnt, dass ich dann wohl das nächste Mal im November in China bin und nicht hinzugefügt, dass ich dazwischen mit Sicherheit nochmal in Deutschland zum Friseur gehe…
Ende vom Lied: die Haare sind jetzt so kurz, dass ich wohl doch erst wieder im November zum Haare schneiden hin muss…
Thumbs up für Steven. Für 100 Kwai (knapp 15 Euro) not bad at all und Spaß hatte ich auch noch!
Und ja, ich gebe zu, ich habe mich nicht getraut, mir die Haare hier färben zu lassen…dafür hänge ich dann doch zu sehr an ihnen…

 

…der gemeine Suzhou-Brüllkäfer ist zurück
…und fasziniert und nervt zugleich. Ein Geräusch, wie Myriaden von Stromleitungen, selbst im 7. Stock noch abartig laut. Nicht überall, aber hauptsächlich in der kleinen Allee in Richtung Südausgang.

 

…Super-Typhoon Chan-hom
Ein Super-Typhoon der Größe Alaskas war angekündigt. Kenn ich noch gut aus HongKong-Zeiten…kein Spaß.
Am Freitag wurde mir also noch vom Makler geraten den Kühlschrank zu füllen und dann tunlichst nicht mehr das Haus zu verlassen. Gefüllte Kühlschränke werden überbewertet, insbesondere weil man hier an jeder Ecke lecker essen kann. Also habe ich das nicht gemacht. Jeder hat darüber berichtet, Flüge wurden gecancelled, Angst und Panik…und dann war es glücklicherweise doch nur ein kleiner Sturm, ach was, Windhauch im Wasserglas. Chan-hom hat sich freundlicherweise eine andere Ecke als Suzhou ausgesucht und dort gewütet. Glück gehabt.

 

…im Lift ist ein Sack Reis umgefallen
Ja, richtig gelesen, in unserem Lift ist ein Sack Reis umgefallen! Eines schönen Abends steigen wir nichtsahnend im Erdgeschoss zu einem älteren chinesischen Paar in den Lift. Beide voll beladen mit Einkäufen (volle Kühlschränke in China sind wichtig!) und einem Sack Reis.

Die Lift-Türe geht zu, wir fahren nach oben und … der Sack Reis fällt um. Schade, dass wir das nicht auf Film gebannt haben. Denn diese wichimagestige Frage: ‚Was passiert eigentlich, wenn in China ein Sack Reis umfällt?‘ haben sich ja schon viele gestellt. Wir wissen jetzt die Antwort!

Nichts! Ausser dass sich 2 lǎowàis anschauen, sich das Lachen verkneifen, ganz bestürzt OOOOH sagen und die Chinesen den Sack wieder aufheben.
Also hätten wir das auch geklärt.

 

…und täglich grüßt das Murmeltier
Ich war mal wieder auf Wohnungsbesichtigungstour…Unser Mietvertrag wird zwar verlängert, jedoch will der Vermieter die Miete erhöhen. Sagt zumindest der Agent und der muss es ja wissen. Also habe ich die letzten Tage damit verbracht mal wieder lustig Wohnungen anzuschauen.Und weil Agent 1 mir nur 2 Wohnungen zeigen konnte, weil alle anderen belegt oder nicht für unser Budget sind, habe ich kurzerhand noch 3 weitere Agents beauftragt. Und siehe da…es gibt mehr als 2 Wohnungen in unserem Budget und Agents teilen sich Wohnungen, was dazu führt, dass frau innerhalb eines Tages die Chance hat, eine Wohnung gleich mehrfach zu besichtigen. Bloede ist nur, wenn die Miete bei Agent 2 höher ist als bei Agent 3 und der Wohnungsinhaber einen schon freudig begrüßt, als ob wir dicke Freunde wären, wenn er einen ein weiteres Mal sieht. Höhepunkt meiner Tour war jedoch eine Wohnung im 25. Stock…die ich vor fast einem Jahr schon einmal gesehen habe. Das gute Stück ist einfach nicht vermietbar. Also wäre sie wohl, weil tolles Layout, genialer Blick, aber die Einrichtung geht halt gar nicht. Ihr dürft also mal wieder gespannt sein, wohin wir ziehen…also in welches Gebäude. Denn in Grace Residence bleiben wir.

Schöne Grüße von einer wieder glücklichen Elke aus dem Land des Lächelns!

 

 

 

 

 

 

 

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Überforderung

3 Kontinente, 3 so was von verschiedene Kulturen, 3 komplett unterschiedliche Lebensweisen…und das innerhalb von 10 Tagen. Das ist auch für mich zuviel.

Nach 2 Wochen in Tanzania und einer 7-tägigen Stippvisite im Schwarzwald – in der ich in Turbo-Geschwindigkeit auch noch fast alle Freunde und Bekannte abgeklappert habe, bin ich seit Samstag morgen wieder in China. Und es hat mich total erwischt….

Kleiner Kaffeeklatsch mit Thomas am Frankfurter Flughafen!

Kleiner Kaffeeklatsch mit Thomas am Frankfurter Flughafen!

Tag 1 war noch von Reisefieber geprägt. Ankommen in Shanghai, nach Suzhou fahren, Frühstück, Mittagsschlaf und am Abend Sushi in einem Einkaufszentrum. Alles gut!

Ab Sonntag dann die volle Dröhnung:
Expat-BBQ im Zapatas, einem Expat-Schuppen hier ums Eck. Unmengen von Essen, FleischBERGE, noch mehr Sättigungsbeilagen. Volle Teller auf dem Weg vom Buffet zum Tisch, volle Mägen und viel Essen, das teilweise zurück geht, weil die Augen mal wieder größer als der Hunger waren. Welcher Hunger eigentlich?!?
Am Abend Lichter, Lichter, Lichter. Jeder noch so kleine Baum ist angeleuchtet. Jedes Hochhaus oder nicht so hohe Haus hat eine Lightshow. Es blitzt und blinkt wie bei uns an Weihnachten. Mal wieder Feuerwerk…ob nun mir zu Ehren oder weil eben gerade Drachenboot-Rennen sind und somit 3 Tage Feiertag.
Alle Zeichen stehen auf Konsum, denn an jeder Ecke spriessen neue Einkaufszentren aus dem Boden…und das obwohl ich nur 3 Monate weg war.
Geteerte Strassen, Klimaanlage, leere Busse, ausgeleuchtete Restaurants.

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Kitimoto auf Kigamboni

Hühnerspieß in Suzhou

Hühnerspieß in Suzhou

Für den Aussenstehenden, oder für denjenigen, der nicht weg war, alles normal. Mich überfordert das gerade komplett. Ich weiß, dass es mir in ein paar Tagen wieder besser gehen wird. Aber momentan kämpfe ich noch. Der Sprung zwischen den Welten war wohl dieses Mal einfach zu krass. Mein Körper ist zwar in Suzhou angekommen, aber der Rest ist noch in Kigamboni bzw. irgendwo lost zwischen den Welten.
Das Wetter tut wohl auch sein übriges dazu: strahlendgrauer Himmel, immer wieder Regen und eine Luftfeuchtigkeit, die dann auch mir leichte Schweißperlen auf die Stirn zaubert. Ich hätte nie gedacht, dass 10% Unterschied in der Luftfeuchtigkeit so sehr zu spüren sind. Jetlag und senile Bettflucht in der Nacht. Und nicht zu vernachlässigen, mein plötzlicher Gedächtnisverlust, was meine eh nur rudimentären Chinesisch-Kenntnisse anbelangt. Dämlich, wenn man vor dem Eiermann steht und einem mal wieder nur das kiswahili-Wort einfällt…

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Trotzdem freue ich mich, dass ich wieder hier bin. Liebe Menschen wieder treffe, beim Obstlaster-Mann ums Eck einkaufe und die Gemüsefrau schon die erste Koriander-Dreingabe eingepackt hat. Und ein paar Dinge sind ja doch recht ähnlich…die Temperaturen und die lästigen Moskitos, die mich auch hier zum fressen gerne haben.

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Blick „aus“ dem tansanischen Büro – also an ein paar Projekttagen

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Blick aus dem chinesischen Büro

Schöne Grüße von einer aktuell nicht ganz so glücklichen Elke aus dem Land des Lächelns. Keine Sorge, in ein paar Tagen lächel auch ich wieder.

...wie wahr...

…wie wahr…

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Back in Tanzania…

… und da war er wieder dieser spezielle Geruch, den ich nicht wirklich beschreiben kann. Eine Mischung aus Staub, Sonne, verbranntem Unrat, aus Großstadt, Lebensfreude und wieder zuhause ankommen. Den Geruch den ich seit 1,5 Jahren vermisst habe. Endlich wieder in Tanzania, endlich wieder in Dar. Für zwei wunderbare Wochen, die viel zu schnell vorbei gegangen sind…und die voller schöner Momente waren.

Es fällt mir im Hinblick auf das setting fast schwer von Arbeit zu reden. Aber nichts anderes waren die zwei Wochen…Dennoch, 30 Grad, kurze Hose, kurzes Shirt bis einen die Moskitos am Abend aufgefressen haben, mit boda-boda, dala-dala und Fähre zum Projektort, ein Feierabend-Serengeti am Mikadi-Beach und traumhafte Sonnenuntergänge lassen das Thema Arbeit irgendwie in einem anderen Licht erscheinen. Ich habe viel Zeit in meinem alten Projekt verbracht, mir einige neue Projekte angeschaut, einen Kooperationspartner getroffen und für einen deutschen Projektträger eine Projektevaluation gemacht. Und ich konnte Susi, die als Beraterin auf Zeit für Manager für Menschen die nächsten 2 Monate ein Community-Projekt in Kigamboni/ Dar-es-Salaam unterstützen wird, in ihren ersten Tagen vor Ort begleiten.

Ich habe viele alte Bekannte und Freunde wieder getroffen und neue Leute kennen gelernt, die mir meine Abreise letzten Freitag nicht gerade leicht gemacht haben.

Der schönste Moment war jedoch, als ich meine kleine Naa wieder in die Arme schließen konnte. Naa hatte ich 2009 bei meinem eigenen Einsatz als Beraterin auf Zeit gleich am ersten Tag kennen gelernt. Mit ihren Eltern und ihrem größeren Bruder hat sie neben unserem Projektbüro gewohnt und wir hatten schon damals jede Menge Spaß. Nach fast 5 Jahren haben wir nun einen wunderbaren Nachmittag zusammen verbracht und aus dem kleinen schüchternen Mädchen von damals ist nun eine selbstbewusste 10-jährige geworden, die fleißig in die Schule geht und gerne Pilotin werden möchte.

Viele Bilder gibt es leider dieses Mal nicht. Naja, sagen wir mal so, es gibt sie, irgendwo in Kimbiji, aber nicht bei mir. Das erste Mal in 42 Jahren bin ich tatsächlich überfallen worden und der Typ hat meine Kamera mitgenommen. Ich habe genau das gemacht, was ich in meinen Vorbereitungsseminaren bei Manager für Menschen immer wieder predige: “Keine langen Spaziergänge am Strand, schon gar nicht alleine und schon gar nicht mit Wertsachen…”. Naja…Wakati shiti hits shabiki…when the shit hits the fan…Kamera weg und ein paar Kratzer am Arm…schade um die Bilder…aber mir ist nichts passiert. Das ist die Hauptsache.
Daher Danke an die freundlichen Spender der meisten der hier nun gezeigten Bilder.

Wenig Bilder im Gepäck, dafür aber ein paar spannende neue Einsatzmöglichkeiten für ein Social Sabbatical:

  • Berater auf Zeit für ein Bauprojekt in Sansibar
  • Physiotherapeut für eine neue Einrichtung für schwerstbehinderte Kinder
  • Berater auf Zeit für die Einführung einer computergestützten Abrechnung und Buchführung für ein Schulprojekt
  • Berater auf Zeit für die Weiterentwicklung eines Waisen-Projekts

Die Ausschreibungen dazu werde ich die nächsten Tage fertig machen und nach und nach hochladen. Lust auf ein Social Sabbatical? Dann bewirb dich unter info@managerfuermenschen.com

Mich hat das Fieber jedenfalls wieder gepackt und ich könnte mir durchaus vorstellen, in eines der Projekte selbst als Beraterin auf Zeit zu gehen. Mal schauen, wie ich das zeitlich unterbringen kann. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

P.S. Eines habe ich noch:
Was wird es hier wohl als Beilage zu Würstchen, Burger und Ei geben?

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Social Sabbatical – The new way in human resources

Manager für Menschen hebt ab!
Diesen Monat gibt’s einen tollen Bericht über mich und Manager für Menschen im Inflight-Magazin Discover Germany auf allen innerdeutschen Flügen der Lufthansa, Germanwings, Air berlin, British Airways und Swiss!

Wer diesen Monat nicht abhebt, der kann hier klicken…
http://www.discovergermany.com/manager-fur-menschen/

2015_06 Discover Germany 1

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Danyang – Ausflugstipp für Leute mit Sehschwäche

Was machen Menschen mit Sehschwäche an einem verregneten Samstag? Sie treffen sich mit anderen Menschen mit Sehschwäche, besteigen 3 Autos und fahren ins gut 2 Stunden entfernte Danyang.

Danyang liegt im südwestlichen Teil der Provinz Jiangsu, hat 800.000 Einwohner und mehr als 1.000 optische Industrieunternehmen (Quelle: Focus – Das Magazin für den erfolgreichen Augenoptiker 05/2009 ). Es ist das Herz der optischen Industrie in China und ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass hier ALLE Brillen hergestellt werden. Auch die, die man beim Optiker im Schwarzwald kauft und nach einer Woche fix und fertig abholen kann.

Focus 1 Focus 2

Die größte Schwierigkeit in Danyang ist, dass man bzw. frau sich erst eimal entscheiden muss, in welches der Brillengeschäfte sie gehen möchte. Und dann total geflasht ist, ob der Auswahl. Einkaufen von Klamotten, Schuhe und Brillen war noch nie meine Leidenschaft, aber da die Brillen hier so super günstig sein sollen, hab ich dann auch das Anprobieren angefangen. Irgendwann war sie gefunden…braunes Kunststoffgestell mit hellbraunen Holzbügeln. Kurz Augen vermessen, den befreundeten Chinesen für die Preis-Verhandlung herbeigeholt, darauf bestanden, dass die Verkäuferin und ich Freunde sind, um so nochmal 10 RMB rauszuschlagen und dann hiess es warten…Keine 45 Minuten später, zur Kasse marschiert und ne neue Brille gehabt. Eine wohlgemerkt. Ich habe mich stark zurückgehalten, was man von meinen männlichen Begleitern nicht gerade behaupten kann. Der Rekord des Samstags waren 6 (in Worten sechs) Brillen…ok, bei einem Durchschnittspreis von unter 50 Euro für Gestell und Gläser eigentlich auch verständlich….

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Parallelwelten – oder zwischen China und Schwarzwald

Die einen sagen ‚oh, wie furchtbar‘, die anderen finden es spannend und für mich ist die Entsendung meines Mannes großes Glück.

Nicht, weil bekanntlicherweise Frauen ja viel besser alleine schlafen, ich mich nicht abmelden und in Deutschland auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Nein, es ist weil ich mal wieder die Chance habe, eine neue Kultur, eine neue Sprache und neue Menschen kennen zu lernen und mir aktuell irgendwie das beste aus zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, rauspicken kann.

Ich geniesse es, wenn ich in China bin. Lerne eifrig eine Sprache, die ich wahrscheinlich nie so richtig beherrschen werde. Lerne neue Leute kennen, neue Lebensformen und begebe mich jeden Tag auf eine neue Abenteuerreise… auch wenn es nur auf den Markt ums Eck ist oder auf die Taxifahrt, um im strömenden Regen zwei Ecken weiter zu kommen. Ich liebe das Essen – ok, das habe ich glaube ich schon in fast jedem Blog-Post erwähnt, freue mich darum, wenn mich der Taxifahrer dann doch dort abliefert, wo ich hinwollte und finde es auch nicht so schlimm, wenn der Himmel nicht jeden Tag blau ist, weil zuviel Feinstaubwert.

Auch freue ich mich immer wieder auf Deutschland. Das Haus, meine Freunde und Familie. VPN-freies Internet, mein Auto, auch wenn ich es ganz selten brauche. Meine Arbeit, die dann weniger digital, sondern auch mal wieder analog und in Form von persönlichen Treffen ist. Die gute Luft und den hohen Freizeitwert im Schwarzwald – nicht umsonst heisst es ‚arbeiten, dort wo andere Urlaub machen‘. Und weil Haslach mit seinen knapp 7.000 Einwohnern doch alles hat, was frau braucht.

Und doch hat mein Pendeln im großen Stil auch seine Kehrseiten. An machen Tagen fühle ich mich wie in zwei Parallelwelten. Denn das Leben in China und das in Deutschland laufen so ein wenig nebeneinander her, oftmals ohne zusammenhängende Entwicklungen, nur mit mir als Bindeglied.
Bin ich in China, dann verpasse ich manche Dinge hier in Deutschland. Bekomme Entwicklungen nur am Rande mit und muss schauen, wie ich mein soziales Netzwerk irgendwie aufrecht erhalte. Umgekehrt ist es genau so. „Gleich gibts ein spontanes Picknick im Compound-Garten – beamst du dich kurz her?“ Wie gerne würde ich das tun und auch hier gilt, ich muss das neu aufgebaute soziale Netzwerk irgendwie am Leben halten. Der letzte Abschied aus China ist mir schwer gefallen. Zum einen habe ich mittlerweile ein paar sehr nette Menschen kennen gelernt. Ja, ich werde sie Mitte Juni zum Großteil Wiedersehen. Jedoch zeichnet sich aber jetzt einfach auch schon das ab, was das Expat-Leben ausmacht: es ist ein ständiges Kommen und Gehen und so werden doch ein paar Leute bei meiner nächsten Rückkehr nicht mehr da sein. Dafür werden neue dazu gekommen sein…und es fängt wieder von vorne an.

Parallelwelten auch deshalb, weil es ein chinesisches und ein deutsches soziales Netzwerk und Freunde gibt. Meinen chinesischen und meinen deutschen Kleiderschrank (das erspart viel Koffer packen und schleppen). Meinen chinesischen und den deutschen Tagesablauf. Fragt sich nur, ob ich in beiden Welten dieselbe bin…

Ich will deswegen nicht jammern, auch wenn ich mich an manchen Tagen ein wenig lost zwischen den Welten fühle und mich frage, wo gehöre ich eigentlich gerade hin. Im Gegenteil, es ist ein Wahnsinns-Geschenk. Wichtig ist nur, das beste aus jeder der beiden Welten mitzunehmen…Das Hier und Jetzt zu geniessen. Das Glück zu sehen, dass ich damit habe. Und zu versuchen, die Erfahrungen und Learnings aus der einen mit in die andere Parallelwelt zu nehmen.

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Aus dem Leben einer Teilzeit Tai-Tai

Als im letzten Jahr die Entscheidung fiel, dass mein Mann beruflich für geplant zwei Jahre nach China geht, stand für mich relativ schnell fest, dass ich keine Vollzeit Expat-Frau werde. Würde man China durch afrikanischen Kontinent ersetzen, so hätte dieser erste Satz wohl keine Geltung. Böse Zungen behaupten sogar, dass wenn es auf den afrikanischen Kontinent gegangen wäre, ich schon vor meinem Mann dort gewesen wäre… Warum habe ich mich nicht für 365 Tage im Jahr Expat-Frauen-Dasein entschieden? An China allein lag und liegt es mit Sicherheit nicht. Aber die Frage nach dem wie schlage ich ohne Arbeit nur den Tag tot und zwar ohne dass es mir langweilig ist und das dazu noch 365 Tage im Jahr, konnte ich nicht wirklich beantworten. Maniküre, Pediküre, Golf spielen, Shoppen? Bloß nicht. Und für Stricken oder Basteln eigne ich mich nun wirklich nicht. Auch hätte es bedeutet hier für 2 Jahre alles auf Stand-by zu setzen. Familie und Freunde zurücklassen und für mich am schlimmsten, Manager für Menschen aufzugeben. Keine Option für mich! Somit bin ich nun also Teilzeit ins Tai-Tai Business eingestiegen. Deutschland ist Basis, ich pendle. Und das im großen Stil! Tai-Tai Business So lautet die korrekte Berufsbezeichnung für Expat-Frauen in China. Oder ganz platt formuliert tai-tai 太太 = Ehefrau. Noch besser gefällt mir allerdings die Erklärung auf Wikipedia:

Tai tai is a Chinese colloquial term for a wealthy married woman who does not work. It is the same as the Cantonese title for a married woman. It has the same euphemistic value as „lady“ in English: sometimes flattery, sometimes subtle insult. Cultural significance: The term has become well-known, and features in Western discussions in the field of Women’s studies. It originally referred to the wife of highest status in a polygamous marriage, many would like to believe this meaning has fallen away and that it now refers simply to a privileged, wealthy lady, this however is incorrect and the usage referring to the ‚lead wife‘ continues, especially when the other women are concubines.

Was mache ich also als ‚lead wife‘ in Teilzeit in Suzhou? Auf jeden Fall langweile ich mich nicht und bin auch noch nicht ins Häkel-Business eingestiegen. Meine Tage sind eine Mischung aus Arbeit, Urlaub und Alltag. Am Morgen und am späteren Abend steht Arbeit auf meinem Stundenplan. Morgens werden rasch die emails der letzten Nacht bearbeitet und am Abend, wenn Deutschland dann auch endlich wach ist, telefoniere ich mit Bewerbern und potentiellen Kunden. Ich bereite Messen, Vorträge, Workshops und Webinare vor, zu denen ich dann wieder in Deutschland bin. Vieles im täglichen doing von Manager für Menschen lässt sich via Internet regeln und wenn Skype funktioniert, was leider nicht immer der Fall ist, dann fällt es keinem auf, dass ich nicht im beschaulichen Schwarzwald an meinem Schreibtisch sitze, sondern am chinesischen Schreibtisch. Bis dato hat mich nur eine Kundin darauf angesprochen, dass ich immer zu so komischen Zeiten emails verschicke…keine Sorge, es liegt nur am Zeitunterschied und noch nicht an seniler Bettflucht 😉 . Dazwischen bleibt jede Menge Zeit, um

  • Chinesisch zu lernen: 2 Mal die Woche Einzelunterricht mit Mandarin King. Sherry kommt sogar zu uns nach Hause und stellt sich recht flexibel auf meine Wünsche und Anforderungen bzgl. der Lerninhalte ein. Nur was den Humor anbelangt, sind wir noch nicht auf einer Ebene. Meine Aussage nach der ersten Stunde, dass mein Ziel sei, Mandarin Queen zu werden, hat sie entweder nicht verstanden oder wollte mir durch ihren Blick zeigen, dass ich das wohl eh nie werden würde…naja, dann bleibe ich eben Drama Queen.
  • Einkaufen zu gehen: Unser Kühlschrank muss ja gefüllt sein. Großeinkauf wird in der Regel am Wochenende erledigt. Obst, Gemüse, Eier – ich bin in Suzhou quasi im Paradies – gibt es um die Ecke im Neighbourhood-Center oder vom Laster direkt vor dem Compound. Mit einer Auswahl und zu Preisen von denen ich in Deutschland nur träumen kann. Meine Erdbeerration für die nächsten Jahre habe ich bereits im Februar und März in Suzhou bekommen und die Kumquats waren schneller weg, als man schauen konnte. Auch mit der Marktfrau bin ich schon dick befreundet. Sie nimmt sich zum einen Zeit, mir den nicht verstandenen Satz so lange zu wiederholen, bis auch ich es verstanden habe und sie steckt als Dreingabe immer noch einen Bündel Koriander in meine Tüte. Da lacht mein Herz.
  • andere Tai-Tais zu treffen: Zum guten Glück gibt es auch eine Tai-Tai Fraktion mit der ich mich anfreunden konnte. Mädels, die völlig auf dem Boden geblieben sind und mit denen ich gerne mal zum Essen gehen oder Ausflüge mache oder die mich zum Treffen der Dienstagsfrauen mitnehmen. Ja, es gibt sie wirklich!!!
  • Ausflüge zu machen: Das wird ein Extraeintrag.
  • den wahren Verpflichtungen im Leben nachzugehen: Auf den Mann warten, ihm den Rücken stärken, das Abendbrot machen und mich um soziale Kontakte kümmern. Um den Haushalt kümmert sich freundlicherweise unsere āyí – die ich am liebsten mit nach Deutschland nehmen würde.

Das Teilzeit Tai-Tai Business ist also gar nicht so schlecht. Der Plan ist, dass es die nächsten Jahre, wenn auch vielleicht etwas strukturierter, beim Pendeln und der Wochenendbeziehung* bleibt. Dennoch ist und bleibt es eine Parallelwelt, in der ich aktuell lebe. Mehr dazu aber in einem nächsten Beitrag.

* Ja, Wochenendbeziehung. Meine Nachbarin fragte mich mal, wo eigentlich mein Mann sei. Auf meine Aussage, dass er die nächsten 2 Jahr in Suzhou, China lebt und arbeitet schaute sie mich ganz bestürzt an und meinte: Oh, dann seht ihr euch ja nur am Wochenende! Ja! Genau so ist es!

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